Kultur-Spezial >>> Sanitäre Anlagen in Afrika
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Sicher war meine Tätigkeit als Haustechnik-Ingenieur daran schuld, dass ich auf Reisen die eine oder andere Toilette oder kuriose Sanitäreinrichtung fotografiert habe. Aber sanitäre Anlagen und ihre Benutzung sind auch ein Stück Landeskultur.
Auf dieser Seite wird sich nicht über die oft primitiven Verhältnisse lustig gemacht, sondern die Einfachheit und Zweckmäßigkeit dieser Einrichtungen beleuchtet.
Gelegentlich wurden wir nach unseren Reisen gefragt: Gibt es denn in Afrika überhaupt richtige Toiletten? Oder so ähnlich. Zunächst fragt man sich, was für Vorstellungen die Leute hier von Afrika haben. Aber eigentlich braucht man sich nicht über solche Fragen zu wundern, da für manche die Toiletten in Südeuropa schon eine Horrorvorstellung sind. Dabei sind die deutschen Klos, vor allem die öffentlichen, oft nicht so gründlich sauber, wie man es gerne vorgibt.
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Das einfache Klo unterwegs:
Ist man abseits der Hotels und Restaurants in Afrika unterwegs, ist ein Klo nur sehr selten zu finden. In Camps zum Beispiel gibt es meist einfache Plumpsklos, die man erstaunlicherweise nicht schon von weitem riecht. Die Palette ist groß und reicht vom Keramikbecken mit oder ohne "Brille", über Gestelle aus Holz bis hin zum simplen Hockklo mit einem kleinen Loch über der Grube.
Da diese Plumpsklos nicht so häufig gereinigt werden, wie vielleicht notwendig, hat das Hockklo eindeutig hygienische Vorteile. Denn es gibt keine direkte Berührung. Meistens sind diese Buschklos mit einer Mauer oder einer Strohwand umgeben. Oft sind sie oben offen. Eine Tür ist eher selten, manchmal verdeckt ein Vorhang den Zugang. Wir empfinden es immer als Luxus, ein solches Klo in afrikanischer Natur zu finden.
Wesentlich umständlicher ist es ohne Klo. Logisch! Erst ein stilles Plätzchen suchen, nicht gesehen werden und dann auch noch die großen Spuren beseitigen, so wie es sich gehört. Nicht immer einfach ohne Spaten oder große Steine.
Das einfache Plumpsklo hat aber auch seine ökologisch gute Seite, denn erstens wird kein Wasser verschwendet, was auch oft gar nicht vorrätig ist und zweitens gelangen die Fäkalien nicht in die Flüsse. Das Trockenklo ist bei der normalen Bevölkerung auf dem Lande, aber auch noch in vielen Städten, die gängigste Variante für die Notdurft.
Ein einfaches Klo kann aber auch ganz anders sein: In einer kleinen Musikkneipe der Wellblech-Siedlung New Bakau in Gambia dient ein altes Duschbecken hinter einem Vorhang als Toilette für die kleinen Geschäfte. Wir mussten es zwangsläufig benutzen, da es für uns in diesem belebten Ort keine Alternative gab.
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Die modernen Einrichtungen:
Hotels mit europäischem Charakter verfügen selbstverständlich auch im Sanitärbereich über den gewohnten Standard. In einfachen Hotels sind sanitäre Einrichtungen vorhanden und auch brauchbar. Auch wenn manchmal die Klospülung nicht funktioniert, der WC-Sitz vielleicht kaputt ist, die Handbrause fehlt oder gerade kein warmes Wasser läuft, ist man doch meistens bemüht Abhilfe zu schaffen.
Allerdings kann das schon mal etwas länger dauern. Das Tempo und die Ersatzteilversorgung sind in Afrika eben etwas anders als in unserer Überflussgesellschaft. Darauf muss sich der Gast einstellen, möglicherweise auch in teuren Hotels!
In manchen Buschcamps gibt es schon moderne Technik. Die Wasserspülung ist durchaus üblich, da wo es genügend Wasser gibt. Allerdings fehlt es vielerorts an Kläranlagen. Die Abwässer samt Fäkalien werden oft direkt in Flüsse, Seen oder ins Meer geleitet. An anderen Stellen wird den Gewässern dann wieder Wasser zum Trinken entnommen. Diese Problematik und deren Risiken sind seit langem bekannt. Eine Lösung scheint ohne fremde Hilfe in vielen afrikanischen Ländern aber kaum möglich zu sein.
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Die ungewöhnlichen Einrichtungen:
Für uns Europäer sind so manche sanitäre Einrichtungen, auf die man unterwegs stößt, eher gewöhnungsbedürftig. Manche Konstruktionen entstehen sicher aus der Not heraus oder beruhen auf regionalen Gewohnheiten der Menschen.
Nicht ganz ungefährlich war zum Beispiel unsere Dusche in einem Hotel in Ghana. Das warme Wasser wird hier direkt am Duschkopf mit 220 V Netzspannung erhitzt. Zu Hause wäre so etwas undenkbar. Der Nullleiter am Duschkopf ragte mit seinem kurzen Ende in den Raum, war nicht angeschlossen. Solche waghalsigen Konstruktionen gibt es auch in Ruanda und Uganda. Hergestellt werden sie in der EU, ein Schild verrät "Made in Italy".
Etwas gewöhnungsbedürftig sind in Ghana auch die Urinale für die Frauen. Da hier aber die Frauen meist Röcke oder Kleider tragen, ist die Benutzung der Urinale, die sich übrigens in der Konstruktion nicht von denen der Männer unterscheiden, sicher reine Übungssache. Meine beiden Begleiterinnen konnten damit allerdings nicht viel anfangen. In Accra auf einem Markt haben wir später eine Pissrinne für Frauen entdeckt. Dieser bizarre Anblick bot sich uns vom Marktgebäude.
Da nicht überall Wasser- und Abwasserleitungen vorhanden sind, hat man in einigen Orten, so zum Beispiel in Ghana, Gemeinschaftstoiletten und Waschräume errichtet. Diese Anlagen sind ein Zugewinn an hygienischer Mindestversorgung und ein Schritt gegen das öffentliche Urinieren, was weit verbreitet ist.
Ein WC-Becken mit integriertem Reinigungsstrahl, wie rechts auf dem Bild, gibt es auch vom Schweizer Hersteller Geberit. Wer hier das Know-how von wem geklaut hat, bleibt allerdings offen. Ich gehe aber davon aus, dass bei Geberit nicht alle so schlitzohrig sind, wie der aufdringliche Vertreter, der mich öfter nervt.
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Die kolonialen Überbleibsel:
An wenigen Orten findet man noch Zeugnisse der kolonialzeitlichen Sanitärtechnik. In Gebäuden aus dieser Zeit sind die alten Installationen oft völlig verkommen. Aber es gibt auch alte Hotels, wo im Zuge von Renovierungen die alte Technik nachempfunden oder kopiert wurde.
Nahezu gut erhalten ist beispielsweise die heutige Geisterstadt Kolmanskop in Namibia, wo einst vor über 100 Jahren die Deutschen dem Diamantenrausch erlegen waren. Auch wenn die alten Häuser nach dem ersten Weltkrieg von den Briten übernommen wurden und seit über 60 Jahren unbewohnt sind, ist durch die extreme Trockenheit der Namibwüste vieles erhalten geblieben.
Man kann vor Ort noch gut nachvollziehen, wie die Deutschen damals versucht hatten, ihren gewohnten Lebensstandard in der abgelegenen Siedlung in der Wüste zu halten. Sicher war das Leben damals trotzdem entbehrungsvoll und nur mit Hilfe der vielen freiwilligen und unfreiwilligen schwarzen Helfer möglich.
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