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Reisebericht Madagaskar 2008:

Diese Reportage soll einen kleinen Einblick geben, wie abenteuerlich eine Reise in Afrika, speziell auf Madagaskar sein kann. Außerdem soll dieser Bericht die Neugier derer stillen, die das Buch „Im Rhythmus der Hitze“ schon gelesen haben und wissen wollen, wie es weitergeht, was uns auf der nächsten Reise erwartet hat.


Fortfahren – Zurück ins Paradies

Anfang November 2008 – Ankunft in Antananarivo auf Madagaskar zu später Stunde. Passkontrolle ohne Probleme, trotz handschriftlicher Korrekturen auf meinem Visum im Pass. Eine kostenlose Fahrt im Shuttlebus zur „Auberge du Cheval Blanc“ im Flughafendorf Ivato wird uns angeboten. Doch leider ist das sympathische Hotel, in dem wir vor drei Jahren schon übernachtet hatten, restlos ausgebucht. Wir finden aber gleich einen Fahrer, der uns in seinem Taxi Richtung Tana bringt und mit dessen Hilfe wir um Mitternacht ein anderes Hotel finden. Das Zimmer in dem kleinen Hauptstraßenhotel ist nur über eine Art Hühnerleiter zu erreichen. Weil es stockdunkel ist, sieht es nicht so gefährlich aus wie am nächsten Morgen, als wir das Zimmer wieder verlassen. Der Gang mit den Rucksäcken über die Leiter gleicht einem mittleren Balanceakt. Dies wird aber schnell zur Nebensache, denn wir sind zurück, zurück auf der paradiesischen Insel, wo die Sonne fast immer lacht, die Leute freundlich sind und an jeder Ecke ein Abenteuer auf uns lauert.

   Nach dem Frühstück holt uns der Taxifahrer von letzter Nacht wie besprochen ab und fährt uns in die Hauptstadt. Nach dem Abklappern mehrerer Hotels landen wir im „Le Cactus Vert“, welches ganz in der Nähe des Büros liegt, wo wir unsere zuvor gebuchten Flugtickets für zwei Inlandflüge abholen und bezahlen müssen. Wir spazieren durch die Innenstadt, die wir bereits kennen, zum „Lac Anosy“ und sind fasziniert von der vollen Pracht der Jakaranda Blüten. Überall in der Stadt leuchten die lila Baumkronen. Wir erkennen das alte Hotel der letzten Reise wieder. Es sieht noch immer schäbig aus mit der grauen Fassade in der stark befahrenen Gasse. Unterwegs pausieren wir, im Restaurant gibt es „Brochette Zebu“, leckere Fleischspieße vom glücklichen Rind.

   Am Platz der Unabhängigkeit drängt sich uns ein Tourmanager auf. Er spricht Deutsch und will uns eine Geländewagentour aufschwatzen, nachdem er erfahren hat, dass wir in den Nordosten wollen. Er begründet dies mit den katastrophalen Straßenverhältnissen im Norden, versucht uns den eigenen Tourplan auszureden, weil wir damit nur Probleme bekämen. Einen stolzen Preis verlangt er für seine Dienste. Etwas verunsichert bitten wir um Bedenkzeit.

   Unbedingt müssen wir noch einmal das „Cabaret du Glacier“ aufsuchen. Hier hatten wir damals einen amüsanten Abend mit heißer Live-Musik, es wurde durch die Nacht getanzt. Das Restaurant hat sich kaum verändert. Das Essen ist noch immer exzellent, die Atmosphäre, die im Speiseraum herrscht, erinnert an die „alten Zeiten“, an die 50er Jahre. Nur das Café vom „Glacier“ macht einen abgewirtschafteten Eindruck. Man könnte mal wieder renovieren. Und die jungen madagassischen Damen, die zahlreich herumsitzen, hinterlassen eher den Eindruck, als ob sie auf Liebesabenteuer mit finanziellem Antrieb aus wären. Das „Glacier“ ist ein beliebter Szene- und Touristentreff, ideal geschaffen für neue Bekanntschaften.

   Nach der Bedenkzeit taucht der Tourmanager vom Nachmittag am Abend in unserem Hotel auf. Er beschreibt die Route zwischen zwei Orten, die auf unserem Weg liegt, als so schlimm, dass sie nur mit 4x4 oder Camion (LKW) zu bewältigen ist. Doch mittlerweile bin ich mir mit Ingrid längst darüber einig, dass wir diese Tour alleine machen werden, ohne diese kostspielige Hilfe. Ich erkläre ihm, dass wir genug Zeit haben und allein reisen wollen. Wir werden die Hürden schon schaffen.

   Die Nacht ist beinah ruhig, sieht man mal von den Geräuschen ab, die die leichten Damen mit ihren nächtlichen Besuchern auf den Nachbarzimmern verursachen. Das Frühstück im Hotel wirkt etwas improvisiert. Und der Zimmerpreis, der zu zahlen ist, ist plötzlich höher als ausgemacht.

   Dann nehmen wir ein Taxi zum Gare Routière, dem Buschtaxistand, wo die Strecken nach Osten bedient werden. Wir finden ein Taxi-Brousse nach Tamatave, dem jetzigen Toamasina, welches die 370 Kilometer nonstop fährt. In unserem Kleinbus sitzen lediglich drei Personen nebeneinander und nicht fünf wie beispielsweise in Mali oder Uganda. Eigentlich wollten wir wieder mit dem bequemen Mada-Bus reisen, wie auf unserer ersten Tour, doch dieses Unternehmen war vor wenigen Monaten in Insolvenz gegangen, weil einige Mitarbeiter Geld veruntreut hatten. Die Fahrt ist angenehm. Der Straßenbelag ist wohl neu. Unterwegs zur Ostküste durchfahren wir größere Regenwaldgebiete. Hin und wieder fällt Regen. Inzwischen haben wir Kontakte zu Mitfahrenden geknüpft und hilfreiche Infos für die Reise bekommen. Beim kurzen Mittagsstopp in einem kleinen Straßenrestaurant wird zum Essen "Ranovola" gereicht. Bisher hatten wir dieses madagassische Nationalgetränk noch nicht probiert. Es ist abgekochtes Reiswasser mit dem angebrannten Reissatz im Kochtopf. Es schmeckt wie Malzkaffee, wie eine Sorte aus meiner Kindheit, die es heute nicht mehr gibt.

   Nach achteinhalb Stunden Fahrt – Ankunft am indischen Ozean in Toamasina. Hier gibt es noch die legendären Pousse-Pousse Fahrer. Von einem der cleveren Jungs erfahren wir, dass das Büro des Fährunternehmens, mit dem wir morgen die Reise fortsetzen wollen, gleich schließt. Geschwind einigen wir uns auf einen Preis, düsen mit zwei Lauf-Rikschas davon. Das Büro hat wahrlich schon geschlossen. Da erfahren wir, dass es ein weiteres Fährunternehmen gibt. Also lasst uns dorthin fahren. Glück gehabt, dieses Büro ist noch offen. Wir können für morgen zwei Tickets für die Fähre von Soanierana-Ivongo zur Insel „Ile Sainte Marie“ und den dazugehörigen hundertdreiundsechzig Kilometer langen Transfer kaufen. So, das wäre geschafft!

   Nun brauchen wir nur noch ein Bett für die Nacht. Das finden wir gleich um die Ecke im Hotel „Capricorne“. Der geringfügige Umweg hat plötzlich unseren Rikscha-Transportpreis vervielfacht. Beinah bin ich dazu bereit, den saftigen Preis zu zahlen. Doch beim Gepäckabladen am Hotel wird uns vom Hotelpersonal klargemacht, dass wir nur den vereinbarten Preis zahlen sollten. Es soll einige Pousse-Pousse Fahrer in der Stadt geben, die ihre Kunden abzocken, wird uns berichtet. An der Hotelrezeption hängt sogar ein Hinweisschild aus, welches vor Rikschafahrern warnt. Man sollte sich lieber eins mit seriösem Fahrer von Hotel rufen lassen. Die Pousse-Pousse Männer wollen die ausgemachte Bezahlung einschließlich eines Zuschlages, der uns angemessen erscheint, nicht akzeptieren und nicht annehmen. Sie fordern lautstark ihren Preis. Ich halte die Scheine entgegen, doch sie lehnen streitsüchtig ab.

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© Copyright 2011 Joerg Paul Beyer